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27.04.2009 > Ein Bericht aus dem Norden...

Hier oben gibt’s sogar Menschen!

Ein Einblick in das Leben eines Austauschstudenten in Helsinki.

 

Weshalb gehst du denn nach Finnland? Da ist’s doch arschkalt und 24h dunkel? Öfters wurde ich gefragt, weshalb eigentlich Finnland meine Auslandsemester-Destination sein soll. Um all diese Fragen von Beginn an aus dem Spiel zu lassen, hier einige Argumente: Lapin Kulta, Blonde, Schulsystem, Natur, Land der 1000 Seen, Musik-Kultur und und und. Ok? Merci.

 

Einquartiert in einer gemütlichen 6-er WG mit Typen aus Frankreich, Niederlande, Schweden und ich als Schweizer harmoniert es durchaus prima. Schnell war mir klar, dass alle hier aus dem selben Grund im Auslandsemester sind: Lernen Teller abzuwaschen und die Wäsche selber zusammen zu legen. Beides funktioniert immer noch nicht! Die WG befindet sich in einem Block mit ca. 200 Studenten aller Herkunft und das Glatte daran ist, man muss nur die Gang-Türe offen lassen, Musik mit möglichst viel Bass abspielen und es macht PENG und das Appartement ist voller Studis!

Gut, nicht dass alles so einfach ist: neben den hohen Bierpreisen (5 Euro und mehr) ist doch auch das Klima einiges strenger. Zu erwähnen, dass sich das Land rund 2’000 Kilometer nördlich von Nesselnbach befindet. Als ich im Januar ankam war es jeweils karge 5 Stunden hell am Tag sowie frostige –15° Grad galten als Standard. Es kam schon vor, dass man an teils Tagen nichts von der Helligkeit mitkriegte…

Das nächste das einem mehr zum Schmunzeln bewegt ist die finnische Sprache. Hier ein kurzer Crash-Kurs:

 

- Moi Moi                     Hallo

- Miita Kulu?                 Wie geht’s?

- Yski olut kiitos!           Ein Bier bitte!

- Kiipis             Zum Wohl!

 

Und jetzt bitte dreimal repetieren & drin ist’s!

 

Persönlich mag ich die Finninnen/Finnen sehr. Vor allem interessant zu beobachten ist der Wandel den die Finnen durchgehen vom Winterleben zum Sommerleben. So war es bereits Ende März als ich das erste Mal einen pfeifenden Finnen sah! Wie die Natur, so auch die Skandinavier. Obwohl sie nicht mit den Spaniern zu vergleichen sind, sind sie im Sommer eindeutig offener, freundlicher und sichtlich glücklicher im Leben und öfters hört man einen schwärmen von kommenden warmen Sommertagen an einem ihrer Seen mit Saunieren, Fischen und gemütlichen Gesprächen. Im Kultur-Fachkreis deklariert man die Suomer als Kokosnüsse: Hat man die harte Schale durchdrungen, so sieht man das liebliche Innere und in anderen Worten ausgedrückt heisst dies, dass Oberflächlichkeit und Small-Talks nicht angebracht sind aber gute, tiefere Konversationen willkommen. Generell bezeichnen sie sich selber als zurückhalten, direkt und ehrlich und so hat es beispielsweise auch keine Kontrolleure in den S-Bahnen und Trams, denn hier oben ist es klar, dass man ein Ticket löst oder ein Abbo besitzt. Toll nicht…?

 

Zusammen mit den 150 Austauschstudenten aus aller Welt sind die Unterrichte weitaus aufregender und öfters schluckt man leer wenn z.B. eine Süd-Koreanerin Geschichten erzählt von den harten Arbeitsverhältnissen oder ein Mexikaner von der hohen Kriminalität in ihren Ländern. Ich zähle diesen kulturellen Mix zum spannendsten meines Trips und so erkennt man durch jedes Gespräch mehr, wie viel Luxus uns Schweizern Tag-Ein-Tag-Aus das Leben vereinfacht.

Dieser Kultur-Mix bietet so einiges – sind es nicht weniger als 1500 Austauschstudenten in der Stadt, da ist neben dem leer Schlucken auch ein zusammen Schlucken auf der Tagesordnung. Ob Sonntag, Montag oder Mittwoch, täglich sind die Bars & Clubs geöffnet und ein williger Party-Freak ist sehr sehr einfach gefunden. Das einzig schwierige und teils mühsame an der Sache ist zumindest einmal wöchentlich „Nein“ zu sagen…

 

Abschliessend – und auch um dem Adressenten gerecht zu werden – kann ich nur erwähnen, dass ich mich doch freue wieder in der Turnhalle, in der Flamingo, in der Herberge oder wo auch immer zusammen mit meinen (Turn-) Kameraden als aktives Turnverein Niederwil­-Mitglied zu fühlen. Bis dahin jedoch versuche ich noch so viele Stunden wie möglich mit den Finnen zu verbringen und das Land in seinem Sommerkleid zu bestaunen, damit ich voller Energie und mit leerem Portemonnaie anfangs Juni wieder unsere Steuerinsel betreten darf.

 

Euch wünsche ich eine unfallfreie und erfolgreiche Saison ’09 und so denke ich ab und zu an euch, wenn ich morgens um 3 Uhr von irgendeinem Randstein ein Akrobaten-Teil vorbildmässig versuche zu stehen…

 

Einen guten Start in den Sommer und bis in Bälde.

 

Kiipis

 

David Hufschmid